Klostergeschichte

Die Gründung des Klosters liegt fast 800 Jahre zurück
(von Dr. Hans Fischer)

Als Gründungsjahr des Klosters Saarn taucht in historischen Nachrichten zum ersten Mal die Zahl 1214 auf, so auf dem Stammbaum des Zisterzienserklosters Kamp (Kamp-Lintfort), dessem Abt die Aufsicht über zahlreiche männliche und weibliche Tochtergründungen (Filiationen) anvertraut war. Kamp selbst war eine Tochtergründung von Morimond in Burgund, diese wiederum eine der vier Haupttöchter von Cistertium, dem heutigen Citeaux bei Dijon, von wo eine benediktinische Reformbewegung 1098 ausgegangen und die entscheidend von Bernhard, dem späteren Abt von Clairveaux, geprägt war.

Die überaus erfolgreiche und kulturell bedeutsame Ausbreitung des Zisterzienserordens hatte 1123 auch Kamp erreicht, das erste Männerkloster des Reformordens auf deutschem Boden. Angeschlossen hatten sich dieser Reformbewegung in der Folgezeit auch zahlreiche Frauengemeinschaften (vgl. Darstellung unter www.kamps-toechter.de). Das erste Frauenkloster, das der Aufsicht des Kamper Abtes unterstellt wurde, war das Kloster Saarn. Auf dem ersten unteren Medaillon der Frauenzweige des Kamper Stammbaums liest man: „Aula Sanctae Mariae in Zaren ad Ruram, Fund. 1214“; also: Mariensaal in Saarn an der Ruhr, gegründet 1214.

In einer Urkunde von 1221 (im Besitz der Pfarre St. Mariae Himmelfahrt in Saarn und im Mülheimer Stadtarchiv aufbewahrt) erklärt der Kölner Erzbischof und Reichsverweser Engelbert von Berg, dass er bei einem Besuch der neuen Gründung dem Konvent aus einer wirtschaftlichen Notlage geholfen habe, und zwar hatte er die Schenkung eines Waldes durch die umliegenden Besitzer veranlaßt, darunter das Kloster Werden und das Stift Kaiserswerth. Danach verbesserten sich, bestärkt durch weitere Stiftungen und Landerwerbungen im Umkreis von Mülheim an der Ruhr die Lebensgrundlagen des Klosters schon bald so nachhaltig, dass von Saarn aus 1234 das Kloster Düssern (heute Stadtteil von Duisburg) und 1255 das Kloster Sterkrade (heute Stadteil von Oberhausen) gegründet werden konnten.

Niedergangserscheinungen zeigten sich erst in den Jahrzehnten vor, während und nach der Reformation. Es wurden mehrere Reformen notwendig, die mehr oder weniger gelangen. Im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts verließen etliche evangelisch gewordene Nonnen den Konvent nach Streitigkeiten zwischen ihren Eltern und dem Kamper Abt. Im Gegensatz zu anderen Gebieten in Deutschland blieb das Kloster unter dem Schutz der Grafen und späteren Herzöge von Berg katholisch, obwohl es durch die der Reformation anhängenden Grafen der nahen Unterherrschaft Broich in Begrängnis kam. Verschiedene Kriegsereignisse brachten auch Notlagen, unter denen die Nonnen und ihre Lehensleute zu leiden hatten. Das Kloster selbst wurde, wohl seiner waldnahen und verkehrsfernen Lage wegen, nie zerstört, so dass wesentliche Gebäudeteile von der romanischen bis in die barocke Zeit erhalten geblieben sind.

Säkularisiert wurde das Kloster 1808. Der im selben Jahr von den Franzosen für Mülheim eingesetzte Bürgermeister hat in einem Brief an seinen Vorgesetzten die Auflösung der alten Institution bedauert mit dem Hinweis auf die vorbildliche Sittlichkeit und Wohltätigkeit, die vom Kloster ausgingen. Von 1214 bis 1808 haben nachweislich 36 Äbtissinnen den Konvent geführt, die erste war Wolberna, die letzte Agathe von Heinsberg. Letztere hat ihr Grab unter einem Steinkreuz an der Südseite der Kirche, wo sich einst der Friedhof befand.

Im 18. Jahrhundert hatte sich das Ordensleben offenbar stark von den strengen Regeln des Anfangs entfernt. Im Vordergrund stand die angemessene Versorgung unverheirateter Frauen aus dem niederen Adel. Aus den Nonnen waren Stiftsdamen geworden, die sich allerdings wohl auch weiterhin als Zisterzienserinnen fühlten und so nannten. Ihre Wohn-, Arbeits- und Gebetsstätte wandelte sich nach der Säkularisation im Hinblick auf die Funktion: Die Klosterkirche wurde Pfarrkiche und kurz vor 1900 erweitert um Turm und Querschiff. Der preußische Staat richtete in Teilen der Gebäude eine Gewehrfabrik ein. Die Wirtschaftsgebäude an der heutigen Bundesstraße 1 wurden als Tapetenfabrik genutzt unf fielen teilweise einem Brand zum Opfer. Die noch erhalten gebliebenen Wirtschaftsgebäude und andere Räume des Klosters fanden insgesamt zufriedene Mieter. Sogar das Vieh eines Bauern fühlte sich offenbar im Kreuzgang wohl. Erhalten haben sich nicht die alten Klostermauern, deren Steine im Dorf- und Klosterbereich sicherlich neue Verwendung gefunden haben dürften. Das Klosterareal hat insgesamt den zweiten Weltkrieg überstanden.

Bleibt am Ende die gute Nachricht: Es hat eine archäologische Erforschung und eine Restauration der Klostergebäude in den 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts gegeben mit folgendem Ergebnis:  Es entstand eine Bürgerbegegnungsstätte durch politik-, konfessions-, landes- und kommunalübergreifenden Einsatz.

Saarn ist heute ein sehenswertes Kulturkleinod an der Ruhr.